Über Schwerhörigenvereine und drei schwarze Punkte

125 Jahre Schwerhörigenbewegung in Deutschland, Teil 3: ein Nachschlag
Illustration zum Artikel „Schwerhörigenvereine und drei schwarze Punkte“ auf die-hörgräte.de

Neulich habe ich hier einen zweiteiligen Artikel mit den Stationen der Geschichte von 125 Jahre Schwerhörigenbewegung eingestellt, jetzt gibt’s dazu einen Nachschlag – und noch eine Zeitreise 125 Jahre zurück. Die Stationen hatte ich im Auftrag des Deutschen Hörverbandes (DHV) zusammengetragen. Es gab sie nirgendwo; also hatte ich das Ganze aus Einzelteilen zusammengebaut. Das hat natürlich Grenzen. (Und KI hilft einem da auch nicht…) Deshalb stand unter den Artikeln, dass ich mich über weitere sachdienliche Hinweise, Ergänzungen, historische Fotos und Materialien freuen würde – insbesondere zu den Anfängen der Schwerhörigenvereine. Tatsächlich gab es Grund zur Freude – weil sich Herbert Hirschfelder aus Eisenach bei mir meldete, mit einer Menge Infos und Material. Nicht alles kann ich hier aufbereiten. Doch ein paar spannende „uralte News“ zu den Anfängen der Schwerhörigenvereine gibt es schon.

„Hephata-Bund“ und Schutzverband – Schwerhörigenvereine in Preußen

Erst ging es in den Mails von Herbert Hirschfelder und mir um Vielhöranlagen, die es damals in Schwerhörigenvereinen gab; das Thema spare ich auf und schreibe lieber über neue Einblicke zu den ersten Schwerhörigen-Organisationen. Eine tolle Quelle ist da ein „Auskunftsbuch für Schwerhörige“ von 1925; ein kleines Büchlein mit Kontakten für schwerhörige Menschen, das auch 1915, 1920 und 1930 erschien – also ein bisschen wie früher die Telefonbücher. Im Artikel „Zeitmaschine zu Margarethe von Witzleben“ hatte ich über den Kreis um Frau von Witzleben, die „Hephata-Vereine“ und den „Hephata-Bund“ geschrieben. Ich wusste zwar, dass es damals noch andere Schwerhörigenvereine gab. Doch mehr wusste ich nicht. Das Büchlein nennt den Bund der Hephata-Vereine auch; zugleich werden ganze fünf andere Organisationen genannt – drei weitere (neben dem Hephata-Bund) in Preußen, einer in Sachsen und einer in Baden-Württemberg.

Spannend finde ich, wie unterschiedlich die Ausrichtungen der Schwerhörigenvereine waren. Für den Hephata-Bund ist vermerkt: „Einführung von Sondergottesdiensten für Schwerhörige im Jahre 1901 durch Marg. v. Witzleben … die christl. Religion evang. Bekenntnisses ist auch heute noch die Grundlage der Vereinsarbeit.“ Zudem werden eine Reihe anderer Themen genannt. Der Bund bietet „Wohlfeilen guten Unterricht im Absehen vom Munde – Vermittlung guter Hörgeräte und Schutz vor Ausbeutung durch Schwindelunternehmen – Berufsberatung und Stellenvermittlung – Rechtsauskunft und Hilfe im Verkehr mit Behörden“ usw. Vereine von „Hephata“ gibt es laut Büchlein 1925 in Dessau, Hamburg, Halle S., Herford, Stettin, Wiesbaden und Wittenberge.

Zur gleichen Zeit gab es jedoch auch den Schutzverband der Schwerhörigen (S. d. S.), der 1912 gegründet wurde – ebenfalls in Berlin. Im Büchlein wird er als „Zentrale deutscher Schwerhörigenvereine“ geführt. Gegründet hat ihn der Architekt Franz Brönner; Vorsitzender war damals Dionys Reinfelder, der 1907 in Berlin die erste Schwerhörigenschule eröffnete. Laut Büchlein hatten sich im Schutzverband die „Schwerhörigenvereine der größten Städte im deutschen Sprachgebiet“ zusammengeschlossen. Ortsgruppen bestanden 1925 in Berlin, Essen, Hamburg, Leipzig, Magdeburg, München und Stettin; in Bremen sollte gerade eine Gruppe entstehen.

Logo und Schutzzeichen eines Schwerhörigenvereins in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts - hier der Schutzverband der Schwerhörigen

Ziele, die der S. d. S. verfolgte, waren etwa: der „Zusammenschluß der Schwerhörigen – Erziehung der Schwerhörigen zur Selbsthilfe und Mitarbeit in den Vereinen – Herbeiführung einer sozialen Fürsorge für Schwerhörige … Beseitigung der den Schwerhörigen im Privat-, Gemeinde- und Staatsdienst erwachsenden Nachteile – Berücksichtigung der Schwerhörigkeit insbesondere vor Gericht und im Verkehr mit den Behörden – Errichtung von Schwerhörigenschulen … Vergünstigungen bei Beschaffung brauchbarer Hörgeräte – Statistische Erhebungen über die  Zahl der Schwerhörigen, ihre wirtschaftliche Lage und gesellschaftliche Stellung – Aufklärung der Oeffentlichkeit über das Wesen der Schwerhörigkeit“ usw. Die Ausrichtung des S. d. S. scheint also deutlich politischer und fordernder gewesen zu sein als beim Hephata-Bund – und Religion kommt dort nicht vor.

Die zwei weiteren Organisationen in Preußen – der Schwerhörigenbund Niedersachsen zu Hannover und der Deutsche Schutzverband der Schwerhörigen – sind aus dem Schutzverband der Schwerhörigen hervorgegangen. Ihre Ziele sollen dem des S. d. S. geglichen haben, also nicht die religiöse, sondern die „wirtschaftliche Richtung“ (sagt das Büchlein). Warum man dafür mehrere Vereine brauchte, verrät es leider nicht.

Die ersten Schwerhörigenvereine in Sachsen und Baden-Württemberg

Außerhalb des damaligen Preußens gab es noch den Wohlfahrtsausschuß für Schwerhörigenfürsorge in Sachsen, der in Dresden saß, die „Spitzenorganisation der sächsischen Schwerhörigen“ war und wohl ebenfalls weltliche Ziele verfolgte: Erfahrungsaustausch, Vertretung von Interessen Schwerhöriger in der Öffentlichkeit, besonders gegenüber Behörden. Zu ihm gehörten Schwerhörigenvereinigungen in Dresden, Falkenstein, Chemnitz, Zwickau, Plauen i. V., Riesa, Meißen, Glauchau, Bautzen, Löbau, Zittau und Annaberg.

Und es gab den Württembergischen Verein für Schwerhörige und Ertaubte, der 1925 gerade in „Süddeutscher Verein für Schwerhörige und Ertaubte“ umbenannt wurde und seinen Sitz in Stuttgart hatte. Ortsgruppen gab es in Stuttgart, Eßlingen, Heilbronn, Aalen, Göppingen, Reutlingen und Ulm. Auch dieser Verein verfolgte sehr weltliche Ziele: „Beseitigung der den Schwerhörigen und Ertaubten im öffentlichen Leben erwachsenen Nachteile und Hindernisse“, außerdem Absehkurse, Beratung zu Hörapparaten, Arbeitsvermittlung usw.

Die Aufzählung all dieser Schwerhörigenvereine liest sich für jemanden, der gar nichts mit dem Thema am Hut hat, vermutlich schräg. Aber ich finde sie spannend, weil es zeigt, wie vielfältig die Schwerhörigenbewegung schon in ihren ersten Jahren gewesen sein muss. Außerdem, wie modern die Forderungen teilweise waren: finanzielle Unterstützung beim Hörgerätekauf, Rücksichtnahme von Behörden, Aufklärung in der Öffentlichkeit, Barrierefreiheit… Das sind Themen, die die Schwerhörigenbewegung heute noch antreibt. Sogar das Wort „Selbsthilfe“ benutzte man damals schon.

Von Anfang an: Schwerhörigenverein ist nicht gleich Schwerhörigenverein

Die Strukturen dieser „Selbsthilfe“ müssen damals ziemlich wild durcheinander gewuchert haben – Vereinsgründungen, Zusammenschlüsse, Abspaltungen… Neben gemeinsamen gab es auch unterschiedliche Interessen, damit Meinungsverschiedenheiten. Man wird wohl nicht nur nett zusammengesessen und Kaffee getrunken haben, und das ist ja auch gut so.

In Hamburg zum Beispiel wurden 1912 innerhalb von fünf Tagen gleich zwei Schwerhörigenvereine gegründet – einer vom Lehrer Wilhelm Fehling, Initiator der Hamburger Schwerhörigenschule. Zu seiner Vereinsgründung kamen rund 50 Leute, darunter wahrscheinlich eine Gruppe um Martha Meier, die schon um 1899 in Hamburg-Eppendorf Absehkurse für Schwerhörige und Ertaubte veranstaltete. Fehlings Verein schloss sich dem Schutzverband der Schwerhörigen (S. d. S.) an. Und fünf Tage später entstand ebenfalls in Hamburg ein Hephata-Verein, der sich dem Hephata-Bund von Margarethe von Witzleben anschloss. Organisatorin war Adelheid Flemming; hier ging es vor allem wieder um Gottesdienste für Schwerhörige. Während der andere Verein sozialpolitische Ziele verfolgte, etwa gegen die Benachteiligung schwerhöriger Menschen im Arbeitsleben und bei Behörden kämpfte. Das wurde besonders wichtig, weil es im Zuge des 1. Weltkriegs viele junge Kriegsinvaliden gab, die ihr Gehör verloren hatten und wieder Arbeit brauchten.

Das Schutzzeichen: drei schwarze Punkte auf gelbem Grund

Noch ein Thema, das mit den Schwerhörigenvereinen von damals zusammenhängt: Die drei schwarzen Punkte auf gelbem Grund. Die gibt es ja heute noch. Die KI sagt, die kennzeichnen in Deutschland und anderen Ländern sehbehinderte oder blinde Menschen. Ursprünglich war es ganz anders.

Illustration zum Artikel „Schwerhörigenvereine und drei schwarze Punkte“ auf die-hörgräte.de

Der 1. Weltkrieg war vorbei. Durch den Krieg gab es noch mehr Menschen, die schlecht oder nicht mehr hörten – vor allem in den Städten. Zugleich war es die Zeit der Elektrifizierung. Und die Zeit, in der aus Kutschen Autos wurden – immer mehr Autos. Es wurde gefährlich, ohne Gehör auf der Straße unterwegs zu sein. Und es gab einen Herrn, der sich damit auskannte, weil er nicht nur Bibliothekar, Kunsthistoriker und Burgenerforscher war, sondern auch schwerhörig: Dr. Conrad Johann Wulfram Plath. Er lebte in Berlin, stand in Verbindung mit dem Hephata-Bund und hat die erste Biografie über Margarethe von Witzleben geschrieben. Und er kam auf eine Idee, die er 1919 in einer Denkschrift publizierte: „Die Einführung eines Abzeichens für Schwerhörige“.

In der Denkschrift schlug er vor, dass diejenigen, die auf Geräusche nicht oder nur eingeschränkt reagieren können, in der Öffentlichkeit ein gut sichtbares Zeichen tragen sollten: drei schwarze Punkte als ein auf die Spitze gestelltes Dreieck und mit gelbem Grund. Das Zeichen gab es schon seit 1910 auf einem Verkehrsschild; es bedeutete: „Kraftwagen und Motorrädern ist die Zufahrt untersagt“.

Conrad Plaths Vorschlag kam an – und zwar schnell: Ein Jahr später legte ein Runderlass des Reichsministeriums des Inneren fest, dass es das Abzeichen für diejenigen geben soll, die nicht oder nicht gut hören. Der Erlass war keine Kleinigkeit. Wer ein deutlich sichtbares Schutzzeichen trug, hatte nun Anspruch auf Schadensersatz – etwa bei einem Verkehrsunfall, bei dem ein Fahrer das Zeichen übersehen hatte.

Der Träger dieses Zeichens ist „im Bogen zu umfahren“

Das Schutzzeichen gab es zum einen auf einer Armbinde, die am linken Arm zu tragen war: „…speziell für Personen die viel auf Fahrbahnen zu tun haben als Radfahrer und alle möglichen Vehikel schiebenden Leute vom Schubkarren bis zum Kinderwagen. Die weithin sichtbare Binde deutet somit den von rückwärts nahenden Auto- und Gespannführern an, daß der Träger Zurufe oder Hupe nicht hört und deshalb im Bogen zu umfahren ist.“

Logo und Schutzzeichen eines Schwerhörigenvereins in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts - hier Dresdner Schwerhörigen-Gemeinde

Dann gab es das Zeichen noch als Brosche: „Die Brosche dient dem mündlichen Verkehr von Person zu Person. Sie enthebt den Träger stets zu wiederholen, daß er nicht mehr im Besitze seines ganzen Gehörs ist und entschuldigt zugleich vorkommende Missverständnisse. Die Schalterbeamten der Post, Eisenbahn, Staats- und Gemeindekassen sowie Verkäuferinnen, Hotelpersonal usw. müssen das Schutzzeichen stets beachten und durch langsames, deutliches sprechen, ohne jedoch zu schreien, dem schwerhörigen Verständnis entgegenbringen. Auch die Verkehrsbeamten als Zugführer, Schaffner und Kontrolleure, Beamte der Wach- und Schließgesellschaft und Verkehrsschutzleute müssen das sich immer mehr im Straßenverkehr ausbreitende Schutzzeichen würdigen.“ (Die Zitate stammen aus dem eingangs erwähnten Auskunftsbüchlein, nicht aus dem Erlass des Innenministeriums.)

Interessant ist, dass sich die Schwerhörigenvereine trotz aller Unterschiede ziemlich einhellig für dieses Zeichen entschieden – und damit sozusagen mit dafür sorgten, dass Schwerhörigkeit öffentlich sichtbarer wurde: Laut dem Auskunftsbüchlein sollen die Vereine schon vorher verschiedene Abzeichen gehabt haben. 1925 hatten fast alle Schwerhörigenvereine ein Vereinszeichen (Logo) mit dem Schutzzeichen drin.

Drei schwarze Punkte und der Nationalsozialismus

Als die Nazis an die Macht kamen, wurden die Schwerhörigenvereine „gleichgeschaltet“. Es gab nur noch den Reichsbund der Deutschen Schwerhörigen und den Reichsverband der Gehörlosen Deutschlands (ReGeDe), der ab 1940 auch Reichsbund hieß. Ihre Zeichen bzw. Logos hatten wiederum die drei schwarzen Punkte.

Ansonsten wurde das Schutzzeichen inzwischen generell von körperbehinderten und insbesondere von blinden Menschen genutzt. Und es gab neue Regeln: Zum einen durfte ab 1934 nicht mehr jeder einfach eine Armbinde tragen. Die musste vorher von der Polizei genehmigt und abgestempelt werden. Dafür brauchte man einen anerkannten Nachweis seiner Behinderung und musste ggf. zu einer amtsärztlichen Untersuchung. Und es war vorgeschrieben, dass Menschen mit körperlicher Behinderung, insbesondere Blinde und Taube, die Binde auch wirklich zu tragen haben. Das sollen viele nicht gemacht haben. Bei einem Unfall auf der Straße und ohne die Binde hätte man kein Recht bekommen.

Außerdem gab es inzwischen auch ein Blechschild für Fahrräder, das der Bund deutscher Radfahrer herausgegeben hatte: drei schwarze Punkte auf gelbem Grund, und man konnte es hinten am Rahmen oder am Schutzblech befestigen. Doch offiziell anerkannt war dieses Schild nicht. – Schließlich war der Radfahrer schwerhörig oder gehörlos, nicht das Fahrrad…

Illustration zum Artikel „Schwerhörigenvereine und drei schwarze Punkte“ auf die-hörgräte.de

Die Nazi-Zeit war gerade für Menschen mit Behinderung grauenvoll – auch für gehörlose und schwerhörige Menschen. Auf der anderen Seite gab es auch gehörlose und schwerhörige Nazis. Es gab den Reichsbann G der Hitlerjugend, der für gehörlose und dann auch für schwerhörige „Jungen und Mädel“ bestimmt war. An ihren Uniformen trugen sie ein G. Und anfangs soll es auf den Ärmeln der Blusen auch die drei schwarzen Punkte gegeben haben. Damit man das nicht sah, haben die „Hitlerjugendlichen“ ihre Ärmel dann immer hochgekrempelt.

Ab 1941 hatten die Nazis noch eine Armbinde, bei der zwischen den oberen beiden Punkten ein schwarzes „Eisernes Kreuz“ saß. Das war das Schutzzeichen für ehemalige Wehrmachtssoldaten, die ihre Behinderung aus dem Krieg hatten.

Sichtbares Zeichen für Blinde, aber nicht für Hörgeschädigte?

Nach dem Krieg gab es das Zeichen mit den drei schwarzen Punkten weiter: Die gelbe Armbinde soll anderen Verkehrsteilnehmern signalisieren, dass der Träger möglicherweise mehr Zeit oder Hilfe benötigt. Die Regelungen dazu stehen seit 1998 in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), vorher standen sie in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO).

Warum die drei schwarzen Punkte von den Blinden übernommen wurden, während die Schwerhörigen und Gehörlosen sie nicht mehr wollten? Blinde und sehbehinderte Menschen fanden das Ganze wohl hilfreich und praktisch. Während Menschen mit Hörverlust oft lieber nicht als solche erkannt werden wollten.

Das hat 1925 schon der Verfasser des kleinen „Auskunftsbuchs“ beklagt: „Die Träger von Schutzzeichen sind im öffentlichen Leben noch nicht übermäßig zu bemerken. Namentlich Damen weigern sich, ein Ding zu tragen, das ‚so auffällt‘. Ein Zeichen aber, daß nicht auffällt, kann auch nicht als Schutzzeichen angesprochen werden.“ – Deutsch-österreichische Touristenverbände würden „ihr Edelweiß und politische Verbände ihre Erkennungszeichen mit Stolz tragen… Auch die Mittel- und Starkschwerhörigen, soweit sie sich ihres Gebrechens nicht schämen, sollten sich daher aufraffen, das Schutzzeichen mit Stolz stets zu tragen, damit es sich von Tag zu Tag im öffentlichen Leben immer mehr einbürgert.“

Dass daraus nichts wurde, hat vielleicht auch mit der Nazi-Zeit zu tun. – Als es oft darum ging, als der „bessere behinderte Mensch“ zu gelten – in einem System, in dem am Ende niemand mehr als „lebenswert“ galt. Lothar Scharf, der sich viel mit der Geschichte gehörloser Menschen in der NS-Zeit beschäftigt hat, schreibt über das Tragen des Schutzzeichens: „Gerade Schwerhörige und Gehörlose hatten eine Abneigung dagegen, da sie sich durch das Tragen der Armbinde optisch zu den Geisteskranken, Körperbehinderten und Blinden gruppierten, noch dazu in einer Zeit, in der es darum ging, nicht den “Lebensunwerten” anzugehören.“

Logo und Schutzzeichen eines Schwerhörigenvereins in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts - hier Deutscher Schutzverband der Schwerhörigen

PS 1: Die Fotos zum Beitrag „Schwerhörigenvereine und drei schwarze Punkte“ zeigen Schutzzeichen der ersten Schwerhörigenorganisationen. Von oben beginnend: Hephata-Bund (Schwarz auf Gelb), Schutzverband der Schwerhörigen (Schwarz auf Gelb), Bund Schweizerischer Schwerhörigen-Vereine (Schwarz auf Gelb), das Bayerische Landeszeichen (weiß-blaue Rauten und Schwarz auf Gelb), Deutscher Schutzverband der Schwerhörigen (Schwarz-weiß-rot).

PS 2: Für den Artikel habe ich mehrere Quellen genutzt. Für den ersten Teil über die Schwerhörigenvereine das “Auskunftsbuch für Schwerhörige” (1925) von Max Seufert, der übrigens Gründer und Vorsitzender der Ortsgruppe München des Schutzverbandes der Schwerhörigen war. Für den Absatz zu den Hamburger Schwerhörigenvereinen habe ich einen Artikel aus „BdS aktuell“ vom Bund der Schwerhörigen Hamburg genutzt (März/April 2012). Und für den Teil über die drei schwarzen Punkte neben dem „Auskunftsbuch“ und Wikipedia auch „Gehörlose in der Hitlerjugend und Taubstummenanstalt Bayreuth. Zeitgeschichtliche Dokumentation der Jahre 1933-1945“ von Lothar Scharf (Berlin 2004).

PS 3: Vielen Dank noch mal an Herbert Hirschfelder für die tollen Infos und Materialien!!! Und über die Zusendung von sachdienlichen Hinweisen, Ergänzungen, historischen Fotos und weiterem Materiali zur Geschichte der Schwerhörigenbewegung freue ich mich auch weiterhin: martin.schaarschaarschmidt@berlin.de.


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