Wieviel kosten Hörgeräte? (Teil 1)

18 Fakten, die du beim Hörgeräte-Kauf wissen solltest
Relief Pott mit Münzen

Was kosten Hörgeräte? Also natürlich nicht irgendwelche Hörgeräte. Sondern solche, die wirklich gut sind und halten, was sie versprechen…

Mit der Frage, was gutes Hören kostet, hatte ich mich bereits kurz im Beitrag über Hörgeräte-Vorurteile auseinandergesetzt. Es gibt eben das Vorurteil, dass gute Hörgeräte teuer sind. Gleich nochmal vorweg: Das stimmt nicht. Es stimmt aus mehreren Gründen nicht. Aber bevor du losziehst, um dir Hörgeräte zuzulegen, solltest du ein paar Dinge wissen. Ich stelle dir hier sowie im zweiten Teil des Beitrags 16 wichtige Fakten zusammen, von denen ich meine, dass sie jeder Hörgeräte-Kunde kennen sollte:

Fakt 1: ordentlich Zuzahlung

Als gesetzlich Versicherter bekommst du in Deutschland auf jeden Fall solide Hörgeräte, wenn er – laut Verordnung vom Ohrenarzt – welche braucht. Ende 2013 hat der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Neuregelungen vorgenommen. Der Festbetrag für Hörgeräte wurde damals deutlich erhöht. Je nach Krankenkasse erhalten gesetzlich Versicherte für ihre Hörgeräte bis zu zweimal so viel Geld wie zuvor – je Hörgerät bzw. Ohr ungefähr 700 Euro; und das alle fünf bis sechs Jahre für neue Geräte. Damit wird sichergestellt, dass sich jeder gesetzlich Versicherte Hörgeräte leisten kann. (Ein Standard, den es auch in vielen Industrieländern nicht gibt – beispielsweise nicht in den USA.)

Fakt 2: solide Kassengeräte

Man bekommt heute auch zum Kassensatz – also ohne eigene Zuzahlung – sehr solide Hörgeräte. 2013 wurde ebenfalls festgelegt, welche Technik ein so genanntes Kassengerät (also eines ohne Zuzahlung) haben muss. Es muss u. a. mindestens vier Kanäle, mindestens drei Hörprogramme sowie eine Unterdrückung für störende Geräusche besitzen. Das sind wichtige Funktionen, für die Versicherte früher ordentlich draufzahlen mussten.

Anzeige Wechselkurse

Fakt 3: keine Fleischbananen

Was es mit Fleischbananen auf sich hat, habe ich schon mal ausführlich gebloggt. Fleischbananen, das waren diese fürchterlichen, fleischfarbenen Hörgeräte-Gurken, die immer piepten aber kaum beim Hören halfen. Und die natürlich niemand gerne am Ohr herumtragen wollte. Bis zur Neuregelung 2013 soll es einige, wenige Hörakustiker*innen gegeben haben, die so ein Teil immer noch unterm Ladentisch hatten. Wenn jemand ausdrücklich nach einem Kassengerät verlangte, holte man die Banane (oder Gurke) vor, legte sie mit spitzen fingern auf den Tresen und warf dem Kunden einen fragenden, vielsagenden Blick zu. (Wie gesagt, so was soll vorgekommen sein; es war aber auch damals nicht die Regel.) Und heute gibt es keine Fleischbananen mehr. Auch Geräte ohne Zuzahlung sehen schick aus. Sie sind klein und sitzen komfortabel, wenn sie für ihren Träger gut angepasst wurden.

Fakt 4: Basis bis Highend

Hörgerät ist nicht gleich Hörgerät. Wie bei Autos, Fernsehern oder Waschmaschinen gibt es bei Hörgeräten unterschiedliche Leistungs- bzw. Preisklassen. Üblich ist heute eine Unterteilung in Basis- und Einsteiger-Segment, Mittelklasse, gehobene Mittelklasse und Premium- bzw. Highend-Klasse. Das hört sich vielleicht kompliziert an. Obendrein sehen diese Hörgeräte äußerlich gar nicht so unterschiedlich aus. Bei einem Auto z. B. sieht man ja gleich, ob es ein eher teures oder weniger teures Auto ist. Bei einem Hörgerät hingegen merkt man es vor allem beim Hören. Entscheidend ist nämlich der Komfort (das erkläre ich gleich noch). Und dieser Komfort kostet extra – also zusätzlich zum festen Betrag, den die Kasse auch bei teureren Geräten dazuzahlt.

zwei Steuereintreiber, Gemälde

Fakt 5: mit Technik Natur nachbilden

Grundsätzlich geht es bei Hörgeräten immer um eines: Es wird versucht, die Natur (bzw. den menschlichen Hörsinn) mit Technik nachzubauen. Das geht immer besser, vor allem seit Einführung der Digitaltechnik (ab Mitte der 90er). Herz des Hörgeräts ist der Chip. Die großen Hörgeräte-Hersteller bringen immer neue Chips und neue zusätzliche Funktionen auf den Markt. Jeder Hersteller tauscht seine Produkt-Palette alle ein bis zwei Jahre komplett aus. Und jeder steckt eine Menge Geld in Forschung und Entwicklung – um dem natürlichen menschlichen Hörsinn wieder ein Stück näher zu kommen. Obwohl das vermutlich nie ganz gelingen wird.

In jedem Fall geht es um sehr komplizierte und äußerst komplexe Technik. Die verstehen die wenigsten (ich auch nicht). Das muss man auch nicht. Wer diese Technik braucht, sollte sie jedoch ausprobieren. Selbst ausprobieren ist die beste Möglichkeit, um ein Gefühl für verschiedene Hörgeräte-Klassen zu bekommen – und dafür, was ein teureres Gerät mehr bringt als eines ohne Zuzahlung. Hörgeräte unverbindlich auszuprobieren ist übrigens nicht nur möglich, es wird sogar ausdrücklich empfohlen.

Fakt 6: Kopplung von Hörgeräten

Neben einem Plus an Hör-Komfort bieten höhere Hörgeräte-Klassen noch weitere Vorteile. Da geht es zum Beispiel um die Frage, ob sich das Hörgerät auch direkt an den Fernseher oder an das Smartphone koppeln lässt. Man kann den TV-Ton, Telefonate, Musik, Ansagen… direkt im Hörgerät empfangen u. v. m. Vernetzung ist heute ein großes Thema. Es lassen sich ja schon alle möglichen Produkte mit einander koppeln. Hörgeräte stehen da nicht am Rand, eher mittendrin. Man hat mit ihnen dadurch oft sogar Vorteile gegenüber Menschen, die noch gut hören. Kopplungsmöglichkeiten gibt es übrigens auch schon bei Hörgeräten in den unteren Klassen mit Zuzahlung.

Leuchtschrift CHANGE

Fakt 7: besonderes Hörgeräte-Design

Wie gesagt, sind auch Hörgeräte ohne Zuzahlung schick und klein. Wer jedoch besondere Design-Wünsche hat – etwa extrem kleine Im-Ohr-Hörgeräte, die absolut keiner mehr bemerken kann, der muss auch für solche Extras eine Zuzahlung einplanen.

Fakt 8: Hörgeräte-Zubehör

Der Begriff Zubehör ist ein bisschen unglücklich. Zubehör klingt nach etwas, was man vielleicht mal mitnehmen kann, aber eigentlich nicht braucht. Leider hat sich bisher noch kein anderer Begriff durchgesetzt. (Ich kenne noch den Begriff „Hörassistenz-Systeme“.) Gemeint sind mit Zubehör eigentlich Dinge, die in Kombination mit dem Hörgerät wirklich große Vorteile bringen – gerade in den Bereichen, in denen auch beste Hörgeräte an Grenzen stoßen.

Das klingt jetzt vielleicht ernüchternd. Aber stelle dir einen Saal voller Menschen vor, in dem du die Stimme eines Gesprächspartners ohne Probleme über 25 Meter verstehen kannst… – Genau um solche schwierigen Situationen geht es: Party und Familienfest, Gruppendiskussionen, Vorträge, Kino, Theater, Fernsehen, Telefon… Auch solches Zubehör kann man schon mit geringer Zuzahlung nutzen. Das Zubehör selbst kann man testen, und man muss es nicht gleich mit dem Hörgerät kaufen. Wem jedoch daran liegt, der sollte zumindest darauf achten, dass er Hörgeräte kauft, die dafür kompatibel sind. Sonst schließt man solche Optionen nämlich auch für die nächsten Jahre aus.

Dagobert Duck

Fakt 9: Hörakustik-Fachgeschäft

Hörgeräte bekommt man im Hörakustik-Fachgeschäft. Solche Geschäfte gibt es überall. Es soll hier und da auch noch andere Orte geben, an denen Hörgeräte-Versorgungen angeboten werden. Diese Angebote bewegen sich in einer Grauzone, und sie entsprechen nicht dem, was der Gesetzgeber vorgibt, um eine gute Hörgeräte-Versorgung sicherzustellen. Dazu muss man wissen, dass das deutsche Hörakustiker-Handwerk überall auf der Welt als Maßstab für gute Hörgeräte-Versorgungen gilt. Handwerk will gelernt sein. Warum das so wichtig ist, dazu u. a. im zweiten Teil der Faktenliste.

SALE-Plakat

PS: Die Fotos zum Teil 1 des Beitrags zur Frage „Was kosten Hörgeräte?“ haben alle irgendwas mit Geld zu tun: ein kleines Relief von 1707 von einer Amsterdamer Hauswand; eine Anzeige aus einer Geldwechselstube; zwei Geld zählende Steuereintreiber auf einem Bild des flämischen Renaissance-Malers Marinus van Reymerswaele, entstanden ca. 1540 und zu sehen in der National Gallery in London; die Leuchtbuchstaben über einer Geldwechselstube; Dagobert Duck auf einem Protest.-Plakat und ein Werbung für eine Verkaufsaktion.


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