Wieviel kosten Hörgeräte? (Teil 2)

18 Fakten, die du beim Hörgeräte-Kauf wissen solltest
Haus-Relief

Wie hoch sind die Kosten für Hörgeräte? Also natürlich nicht die irgendwelcher Hörgeräte. Sondern solcher, die wirklich gut sind und halten, was sie versprechen… – Nach Teil 1 hier Teil 2 unseres Beitrags mit 18 Fakten, die jeder Hörgeräte-Käufer wissen sollte:

Fakt 10: Jeder hört anders

Absolut wichtig und vermutlich nicht jedem klar: Man hört nicht nur gut oder schlecht. Hören ist eine hoch komplexe Angelegenheit. Jeder hört anders. Und schon deshalb lässt sich überhaupt nicht sagen, welches Hörgerät das beste ist. Welches tatsächlich das Beste ist, hängt zum einen von diesem sehr individuellen Hörvermögen ab. Aber das ist noch nicht alles…

Fakt 11: Jeder hat Hör-Wünsche

Genauer gesagt: Jeder hat andere Hör-Wünsche. Damit ist nicht gemeint, dass man wieder hören und verstehen will, denn das wollen alle. Aber es geht auch darum, wie man lebt. Sitzt man die meiste Zeit in seiner Wohnung, will sich dort unterhalten und den Fernseher verstehen können? Reist man ständig durch die Gegend, diskutiert in Meetings, ist in Restaurants, Theater und Kino? Ist man mittendrin in der vernetzten Kommunikationswelt? Je mehr Anforderungen es im Hör-Alltag gibt, desto mehr stellt sich die Frage, was das Hörgerät noch können muss.

Leuchtschrift "I love Sale"

Fakt 12: Beratung

Die bisherigen Punkte zeigen es schon: Bei der Anschaffung von Hörgeräten ist es wichtig, gut beraten zu werden. Man kauft Hörgeräte nicht von der Stange. Die Beratung ist ein wesentlicher Teil der Arbeit von Hörakustiker*innen. Gute Hörakustiker*innen werden dir nicht einfach was ans Ohr hängen. Sie werden sich zuerst einmal Zeit nehmen, um zu erkunden, was du brauchst. Im besten Fall werden sie dir eine Menge Fragen stellen, ehe sie dir Gerät A oder B zum Testen geben.

Fakt 13: Anpassung

Ebenfalls wichtig – zumal ich weiß, dass das vielen beim ersten Hörgeräte-Kauf überhaupt nicht klar ist: Du kannst dir ein Hörgerät nicht einfach ans Ohr setzen, und das war‘s. Stimmt die Anpassung nicht, ist das beste Hörgerät Mist. Weil jeder anders hört und andere Wünsche hat, muss die Technik genau auf jeden eingestellt werden. Das betrifft die Programmierung, die über eine Software im Hörakustik-Geschäft vorgenommen wird – meist in einem Anpass-Raum. Das betrifft aber auch die Art und Weise, wie das Gerät am Ohr sitzt. Immerhin soll es zwölf Stunden und mehr dort sitzen, jeden Tag. Es soll nicht drücken und möglichst gar nicht zu spüren sein.

Münzeinwurf Musikbox

Hier entscheidet gutes Handwerk. Die Anpassung ist bei Hörgeräten viel aufwändiger als etwa bei Brillen. Die Termine für so eine Hörgeräte-Anpassung können sich über Wochen und Monate ziehen. Und der Aufwand dafür ist inklusive. Auch bei einem Kassengerät zahlt man dafür nicht extra.

Fakt 14: Nachsorge

Auch wenn man seine Hörgeräte hat und die Anpassung beendet ist – du solltest einplanen, dass du den Hörakustiker weiter brauchst. Nicht nur, weil die Technik gelegentlich überprüft und gereinigt werden muss. Dein Gehör verändert sich weiter – auch mit Hörgerät. Es kann deshalb sein, dass die Technik neu eingestellt werden muss. (Hier gibt es übrigens bei manchen Hörgeräten schon die Möglichkeit, Korrekturen über App vornehmen zu lassen – vom eigenen Hörakustiker und egal, wo man gerade ist. Man braucht nur Internet.)

Fakt 15: Die Chemie muss stimmen.

Die Art und Weise, wie die Hörgeräte an dein Ohr kommen, ist entscheidend dafür, wie zufrieden du am Ende bist. Die Arbeit des bzw. der Hörakustiker*in ist entscheidend. Das ist nicht nur eine Frage von Können. Es ist auch eine Frage des Vertrauens. Die Chemie muss stimmen. Du solltest das Gefühl haben, dich dauerhaft auf den oder die andere bzw. auf dieses Fachgeschäft verlassen zu können. Denn du musst dich verlassen können. Immerhin geht es um Leute, die an bzw. in deinem Kopf arbeiten. Würdest du dir von jedem die Haare schneiden lassen? – Selbst wenn; hier geht es nicht um Haare, sondern um Hören!

Schild für Verkaufsaktion

Fakt 16: Vergleichsangebote

Ja, kann man machen. Natürlich kann man zu Hörakustiker A, B oder C gehen und sich ein Angebot für Hörgerät A, B oder C geben lassen. Schließlich machen das clevere Leute immer so, oder?!

Wenn du jedoch die vorherigen Punkte aufmerksam gelesen hast, wirst du verstehen, warum man mit dieser Art Cleverness schnell an Grenzen stößt. Es geht eben nicht nur um ein Stück Technik, das so oder so viel kostet. Es geht vor allem darum, wie diese Technik an dein Ohr kommt. Wie man dich berät. Wie man die Technik einstellt. Wie man dich auch später noch betreut. Das schreibt dir keiner ins Angebot. Und deshalb vergleichst du bei mehreren Angeboten sehr schnell Äpfel mit Birnen. Klar, wer Abstriche im Service einplant, kann dir ein Gerät auch etwas günstiger verkaufen. Nur dass das heißen kann, dass dir das Gerät nicht nur ein bisschen weniger nützt – sondern deutlich viel weniger… Daher mein Tipp: Verlass dich lieber auf deine Menschenkenntnis als auf ein Angebot.

Bedienfeld eines Geldautomaten

Fakt 17: Was Hörgeräte maximal kosten.

Hören wird allgemein unterschätzt. Das ist leider so. Sonst wäre vermutlich auch klar, dass selbst die teuersten Hörgeräte nicht wirklich teuer sind. Bei richtig, richtig teuren Hörgeräten zahlt man pro Gerät (also Ohr) zwischen 2.000 und 3.000 Euro zu dem, was die Kasse bezahlt. Wenn man davon ausgeht, dass man mit diesen Geräten fünf Jahre jeden Tag hört (bei guter Pflege noch deutlich länger), so kostet das pro Tag und Gerät 1,10 bis 1,60 Euro.

Fakt 18: Hören und Prioritäten

Mir ist natürlich klar, dass nicht jeder mal eben 4.000 oder gar 6.000 Euro für Hörgeräte hat. Aber ich denke auch, dass es viele Leute gibt, die für andere Dinge weit mehr ausgeben. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) z. B., wo ich seit Jahren bin, um Journalist*innen Hörgeräte vorzustellen, steht jede Menge deutlich teurere Audio-Technik. Und wenn man guckt, wer sich für diese Technik interessiert, sieht man sehr oft Männer im besten Hörgeräte-Alter. Ich frage mich dann immer, was die vom Sound einer solch teuren Audio-Anlage überhaupt noch hören…

Münzstraßenkunst

PS: Die Fotos zeigen lauter Motive, die mir zum Thema Geld bzw. Kosten für Hörgeräte zu passen schienen: ein Relief aus Amsterdam, auf dem eine Hand einer anderen Geld gibt, eine Leuchtreklame für einen Laden mit billiger Kleidung, den Münzeinwurf an einem alten Schallplatten-Automaten, ein „bis zu 50%“ Schild, ein Geldautomat und ein Kunstwerk aus Münzen, das ein Londoner Straßenkünstler direkt vor der National Gallery auf den Gehweg-Platten ausgebreitet hatte.


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