„Verkannte Menschen“

Über einen Film von Gehörlosen über Gehörlose für alle
Illustration zu einem Artikel über „Verkannte Menschen“ - einen Film von Gehörlosen über Gehörlose für alle von 1932

Alte Filme sind wie Raumkapseln, mit denen man in eine andere Zeit kommt. Ich hatte hier den Film „Mandy“ von 1953 vorgestellt. Der deutsche Film „Verkannte Menschen“ ist noch zwei Jahrzehnte älter – ein Stumm- und Dokumentarfilm des Regisseurs Alfred Kell. Produziert wurde der Film 1932 von der Universal-Film AG (UFA). Zwischen der Entstehung des einen und des anderen Films liegen die NS-Zeit und der Krieg, unvorstellbare Grausamkeit und Zerstörung. Sie werden auch viele betroffen haben, die in „Verkannte Menschen“ zu sehen sind. Man sieht sie im Film und fragt sich, wie es ihnen ergangen ist. Der Film selbst wurde kurz nach dem Erscheinen vernichtet. Das Kino, in dem er Premiere hatte, wurde beim Luftangriff zerstört.

Initiiert, beauftragt und finanziert wurde „Verkannte Menschen“ vom Reichsverband der Gehörlosen Deutschlands (ReGeDe), der kurz vorher (1927) gegründet worden war, und aus dem später der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) wurde. Für die Idee der Gehörlosen, einen eigenen Film zu machen, gab es weitreichende Gründe. Sie wollten der Gesellschaft zeigen, was es bedeutet, taub zu sein. Sie wollten gehört bzw. gesehen werden.

“Verkannte Menschen” und ein ehrgeiziges Filmprojekt

Gehörlose treffen noch heute auf viele Barrieren. Damals galten sie vielen nicht mal als vollwertige Mitmenschen. Sie wurden ausgegrenzt. Man traute ihnen nichts zu, begegnete ihnen mit Vorurteilen. Eine Schulpflicht für taube Kinder gab es erst seit 1911 (im Großteil Deutschlands). Kindergärten für taube Kinder waren seltene Ausnahme. Und in der allgemeinen Krisenzeit fanden gehörlose Menschen kaum Arbeit. Viele lebten in Armut.

Als junges Massenmedium schien den Gehörlosen der Film gut geeignet, um etwas zu bewegen und aufzuklären: über ihre schwierige Situation und darüber, was sie können und leisten. Dass sie 100% leistungsfähig sind wie jeder andere. Um das zu schaffen, sammelten sie Geld. Der Film kostete 20.000 Reichsmark (RM). (Das war mehr als der durchschnittliche Jahreslohn von zwölf Vollbeschäftigten.) Der Bund der Taubstummenlehrer gab 500 RM, sonst kam alles Geld von den Gehörlosen und ihren Verbänden, die mit der Produktion große Hoffnung verbanden. Sie hofften auch, das investierte Geld mit dem Verleih des Films zurückzugewinnen.

Der Film sollte alles zeigen, was ihnen wichtig war. Das Drehbuch schrieb Wilhelm (Willi) Ballier (1896-1956), ein gehörloser Maler und Grafiker und 1. Vorsitzender des ReGeDe. Darsteller waren die Gehörlosen selbst. Gedreht wurde zu einem großen Teil in der Israelitischen Taubstummenanstalt (ITA) in Berlin-Weißensee. Zu sehen ist auch deren Direktor Felix Reich, den die Nazis zeitweise ins KZ Sachsenhausen sperrten, und der später mit zehn seiner Schüler nach England fliehen konnte. Eine Szene spielt in einem Ferienhaus in der Sächsischen Schweiz, das sich Gehörlose geschaffen hatten.

Das Premieren-Kino von „Verkannte Menschen“

„Verkannte Menschen“ war ein Großprojekt der Gehörlosen-Selbsthilfe. Es wurde mit Erfolg umgesetzt: Die Premiere fand am 21. September 1932 im Berliner Filmtheater „Kamera“ statt. Das „Kamera“ stand in der Straße Unter den Linden (gegenüber dem heutigen Café „Einstein“ und dort, wo jetzt die russische Botschaft ist). Es war ein besonderes Kino: Ein Programmkino, in dem auch Filme liefen, die nicht mehr neu oder anders waren; sozusagen Berlins erstes Off-Kino.

Bearbeitetes Foto vom Saal des Filmtheaters "Kamera" in Berlin

Im Obergeschoss war der „Club der Kamerafreunde“. Hier trafen sich Filmstars wie Emil Jannings, Marianne Hoppe, Heinz Rühmann und Heinrich George mit ihren Fans. Das Kino selbst hatte einen Saal, der wie ein Theater aussah – mit rotem Vorhang, goldfarbenen Stuck-Schnörkeln, Kronleuchtern. Für das Publikum gab es 300 Clubsessel. Man kaufte eine Karte für 1,50 oder 2,50 RM, Garderobe und Programmheft waren inklusive.

Dann nahm man in einem der Clubsessel Platz. Es wurde dunkel, der Vorhang ging auf und bei Stummfilmen begann die Musik. Dafür hatte das Kino eine Kino-Orgel – eine Wurlitzer-Orgel. Wurlitzer-Orgeln waren hoch modern. Sie kamen aus Amerika, aber der Firmengründer Rudolph Wurlitzer stammte aus dem Vogtland. Das Filmtheater „Kamera“ war in den 1930er Jahren zugleich das Wurlitzer-Studio, in dem man die neueste Kino-Orgel erleben konnte.

„Verkannte Menschen“ und die Nazis

Welche Musik zum Film „Verkannte Menschen“ gespielt wurde, konnte ich nirgendwo finden. Dass zu einem Stummfilm auf der Wurlitzer-Orgel Musik gespielt wurde, ist wahrscheinlich – auch wenn viele Zuschauer im Saal sie nicht hören konnten.  Zumal sich der Film ja gerade an ein hörendes Publikum richtete. (Wie eine Wurlitzer Kino-Orgel klingt, kannst du hier in einer Aufnahme aus Berlin von 1935 nachhören.)

Die Premiere von „Verkannte Menschen“ war ein Erfolg. Es gab positive Kritiken, die anerkannten, dass der Film neue Perspektiven auf taube Menschen eröffnet. Die Film-Prüfstelle hielt den Film für pädagogisch einwandfrei. Filmkopien wurden an Landesverbände des ReGeDe verteilt, damit „Verkannte Menschen“ überall zu sehen ist.

Aber der Erfolg hielt nicht lange. 1933 kamen die Nazis an die Macht. Und 1934 wurde „Verkannte Menschen“ durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda verboten. Das Ministerium unter Leitung von Joseph Goebbels kontrollierte alle deutschen Massenmedien und Kulturschaffenden.

Illustration zu einem Artikel über „Verkannte Menschen“ - einen Film von Gehörlosen über Gehörlose für alle von 1932

Goebbels umgab sich gern mit UFA-Stars wie Emil Jannings und Marianne Hoppe. Doch der sozialkritische Einschlag von „Verkannte Menschen“ missfiel den Nazis. Originale und Kopien wurden eingesammelt und vernichtet. Für einen neuen Film fehlte den Gehörlosen das Geld, und die Vernichtung ihres Films war nur der Anfang von dem, was vielen von ihnen widerfuhr. Jüdische Gehörlose wurden aus dem ReGeDe ausgeschlossen, viele später deportiert und ermordet. Auch viele nichtjüdische Gehörlose wurden Opfer der Nazis. Zahlreiche mehrfachbehinderte Gehörlose wurden im „Euthanasie-Programm“ der Nazis ermordet. Etwa 15.000 gehörlose Menschen wurden zwangsstrelisiert. Andererseits waren auch Gehörlose Anhänger der Nazis. Die Funktionäre des ReGeDe waren Nazis. Es gab den Bann G (G für „gehörlos“) der Hitler-Jugend, dem fast alle Schüler in nahezu allen „Taubstummenanstalten“ angehörten, und der von Nazi-Lehrern geführt wurde. Es gab eine gehörlose SA-Gruppe usw.

Einblick in eine Welt, die bald darauf verschwand

Zwei der Filmkopien von „Verkannte Menschen“ kamen den Nazis nicht in die Hände. Die Filmrollen lagerten irgendwo im Rhein-Main-Gebiet und tauchten in den 1950er Jahren wieder auf. Es gab Aufführungen im kleinen Kreis. 1990 startete eine Professorin vom Institut für Deutsche Gebärdensprache einen Aufruf, um herauszufinden, wo die Filme sind. Tatsächlich gab es sie noch. In den 2000er Jahren kümmerten sich die Murnau-Stiftung und der Deutsche Gehörlosenbund (DGB) um den Film, weil beide die Rechte hatten. 2010 wurde „Verkannte Menschen“ in einer Benefizveranstaltung erstmals wieder öffentlich gezeigt. Der Film wurde eine Zeit lang sogar als DVD angeboten. Nach der habe lange gesucht und sie schließlich in Leipzig in der Bibliothek der Samuel-Heinicke-Schule gefunden.

Weil „Verkannte Menschen“ so ziemlich nirgendwo zu sehen ist, beschreibe ich kurz, worum es in den 31:43 Minuten geht. Der Film gliedert sich in drei Teile. Der erste widmet sich dem Thema „Taubheit und Bildung“, vor allem gehörlosen Kindern und Jugendlichen. Dieser erste Teil ist nochmals geteilt – in früher und heute.

Bearbeitetes Szenenbild aus dem Dokumentarfilm „Verkannte Menschen“ von 1932

Der Film beginnt mit einem Rückblick („So war es einst!“): Man sieht einen tauben Mann auf einer Landstraße, der die Hupe des Autos nicht hört; dann einen hungrigen tauben Bettler, der von Kindern verspottet wird; Bier trinkende Männer in einem Gartenlokal, die einen Tauben, der bei ihnen sitzt, wie Luft behandeln. Da der Film ein Stummfilm ist, hört man nichts. Hin und wieder gibt es einen kurzen Text: einst verkehrsunsicher, ungebildet und vereinsamt, bemitleidet und verspottet.

Dann wendet sich der Film der Jetzt-Zeit zu (Heute?). In einem Stummfilm gibt es keine Dialoge, dafür gibt’s viel fürs Auge: Gestik und Mimik, illustrierende oder symbolhafte Bilder, und die Schrifttafeln (deren Inhalt ich hier weiter kursiv wiedergebe). Alles ist holzschnittartig bzw. Schwarz und Weiß – auch im übertragenen Sinne:

Eine Frau mit einem Kind in einem Kinderbett. Ein Napfkuchen mit einer brennenden Kerze. Das Kind ist demnach ein Jahr alt und gemeinsam mit der Mutter lauscht es, wie der Kuckuck aus der Kuckucksuhr ruft. Doch an seinem zweiten Geburtstag (nun brennen zwei Kerzen) ist das Kind krank und hört den Kuckuck nicht mehr. – Sie hört die Uhr nicht mehr taub! – sagt ein dicker Mann, der gleichfalls am Kinderbett steht: der Doktor. Die verzweifelte Mutter: Herr Doktor! Gibt es keine Rettung? – Doktor: Nein. Helfen kann ich nicht, aber das Kind wird die Taubstummen-Schule besuchen und alles lernen, wie jedes normale Kind, auch sprechen!

Lernen in der „Taubstummenanstalt“

In der neuen Jetzt-Zeit des Films können taube Kinder die Schule besuchen und sprechen lernen. Wie das geht, wird ebenfalls gezeigt: Das Kind (aus dem Kinderbett) ist nun ein fünfjähriges Mädchen, das in den Kindergarten der Taubstummenanstalt gebracht wird. Andere Kinder nehmen es an der Gartenpforte in Empfang. Man sieht die Kinder im Garten mit ihren Erzieherinnen spielen, mit Gießkannen bei der Gartenarbeit, beim Balancieren. (Text: Leider gibt es in Deutschland nur wenige solcher Kindergärten. Und: Einst war nur die Verständigung mit Zeichen möglich, sie waren abgeschlossen von der hörenden Umwelt – jetzt werden sie vollwertig und nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft durch den Schulzwang, der sie sprechen lehrt.)

Illustration zu einem Artikel über „Verkannte Menschen“ - einen Film von Gehörlosen über Gehörlose für alle von 1932

Ein Mädchen erklärt (im Filmtext): Ich bin froh, dass ich sprechen kann! Ein zweites Mädchen sagt: Ich arbeite wie jeder andere. Dann erfährt man noch: In Deutschland leben über 40.000 Taubstumme, erst seit einem Vierteljahrhundert besteht für sie Schulzwang. Bilder von Taubstummenanstalten (Schulen) werden gezeigt, dann eine Büste von Samuel-Heinicke (Begründer der Lautsprach Methode). Schließlich sieht man einen Taubstummenlehrer. Er trägt einen weißen Kittel und übt mit einem tauben Jungen sprechen; beide blicken dabei in einen Spiegel. (Mit nimmer müder Geduld bringt der Lehrer dem stummen Kinde die ersten Laute bei. – Übungen im Auffassen der Schriftsprache. – Übungen im Auffassen der Lautsprache…)

Taubstummenanstalten gibt es längst nicht mehr. Taubstummenlehrer, die in weißen Kitteln tauben Kindern Sprechen beibringen, gibt es auch schon lange nicht mehr. Das Wort „taubstumm“ sollte man nicht mehr benutzen. Und Schulzwang klingt ebenfalls nicht nett. Doch zur Zeit von „Verkannte Menschen“ waren all das offensichtlich Dinge, auf die Gehörlose verwiesen, um von hörenden Menschen wahr- und ernstgenommen zu werden.

Gezeigt wird, wie sich die Kinder über die Jahre entwickeln und immer noch mehr sprechen können. (Der Ausbau der Sprache und die Vermittlung des Wissens. Heimatkunde im fünften Schuljahr.) Und zwei Jahre später: praktische Staatsbürgerkunde im siebenten Schuljahr. Wahlvorgang. – Taube Jugendliche spielen eine Wahl mit Stimmzetteln und einem Pappkarton als Wahlurne. 1932 übte man in der Schule noch demokratische Wahlen – auch in der Taubstummenanstalt. Aufgenommen wurden die Bilder gleichfalls in der Israelischen Taubstummenanstalt in Berlin-Weißensee. Die Kinder und Erwachsenen der Anstalt, die den Nazis nicht entkamen, wurden 1942 in Vernichtungslager deportiert.

„Verkannte Menschen“: „Arbeitsleistung 100%“

Der zweite Teil von „Verkannte Menschen“ widmet sich dem Thema Beruf: Ein Junge näht im Schneidersitz an einem Fenster. Dann steht er neben einem Mann, dem Meister, der gerade ein Jackett an einer Kleiderpuppe zusammenfügt. (Auch Gehörlose Meister bilden Lehrlinge aus.)

Bearbeitetes Szenenbild aus dem Dokumentarfilm „Verkannte Menschen“ von 1932

Doch der Film öffnet den Blick auf ein weiteres Problem. (Aber wenn die Lehrzeit beendet ist, beginnt erst der Kampf, der Kampf mit dem Vorurteil!) Ein tauber Mann wird vom Arbeitsamt zu einer Arbeitsstelle geschickt. Dort stellt er sich vor, doch sobald klar ist, dass er nicht hören kann, schickt man ihn weg. (So geht es fast allen Gehörlosen, und doch sind sie so geschickte und dankbare Arbeiter. Hab nur im Anfang etwas Geduld!)

Ein Buch wird in die Kamera gehalten: „Henry Ford, mein Leben und Werk“. Das Buch wird aufgeschlagen und eine hervorgehobene Textpassage gezeigt: Taubstumme erfahren bei uns keine besondere Berücksichtigung. Ihre Arbeitsleistung beträgt 100 %.

“Vollwertige” und nützliche Mitglieder

Heute wirkt das seltsam: Man zeigt einen Film, in dem man ein Buch aufschlägt, damit das Kino-Publikum darin liest. Das Medium Film war noch jung und Henry Fords „100%“ waren offensichtlich sehr wichtig. Die „100%“ sind noch mehrmals zu sehen: Wir sehen sie überall, diese so viel verkannten und doch leistungsfähigen Menschen, sagt der Film und zeigt Männer und Frauen bei der Arbeit, Maschinen, Tischler, einen Bildhauer, ein Labor, einen Zahnarzt, eine Nähmaschine. Ein Krankenhauszimmer wird hergerichtet, Haare werden frisiert, Hühner gefüttert, Holz gehackt, Brot gebacken und auf dem Land Kühe gemolken und das Feld bestellt: Überall arbeiten und schaffen Sie mit fleißigen Händen wie jeder andere.

Und: An allen Fragen des öffentlichen Lebens nehmen die Gehörlosen lebhaften Anteil. – Hier sieht man sogar einmal, wie sich Gehörlose gebärdensprachlich verständigen: Ein Redner spricht, und neben ihm steht jemand und gebärdet: Gehörlose unterstützen ihre Schicksalsgenossen mit Rat und Tat.

Und es geht um Gehörlose in Wissenschaft und Kunst. Man sieht ein elektronisches Experiment, taube Maler und Bildhauer, die Plastik einer Pavian-Familie des gehörlosen Bildhauers Harry Christlieb, Wilhelm (Willi) Ballier, wie er gerade das Filmskript für „Verkannte Menschen“ diktiert, und Beethoven. (Der große Beethoven schuf gerade während seiner Taubheit die herrlichsten Tonwerke. – Überall sehen wir sie als vollwertige und nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft. Die Gehörlosen!)

„Verkannte Menschen“ in der Gesellschaft

Der abschließende dritte Teil von „Verkannte Menschen“ ist überschrieben mit: In der Gesellschaft. Wie schon in den Szenen aus der Israelischen Taubstummenanstalt sieht man Bilder eines gemeinsamen Alltags, den es kurz nach Fertigstellung des Films so nicht mehr gab: Bei Spiel und Sport, im Kreise von seinesgleichen, vergisst der Gehörlose sein Leid und schöpft neuen Lebensmut.

Gezeigt wird ein Berliner Strandbad mit fröhlichen Badegästen. Die Fahne des B.T.S.V. wird gehisst – des Berliner Taubstummen Schwimmvereins 1900 e.V. Man sieht Turmspringen, Wasserball, Schwimmen. Es wird ein gehörloser Mann mit einer Lebensretter-Medaille gezeigt. Es wird gezeigt, wie der taube Mann einen anderen vor dem Ertrinken rettete. Dann folgen Turnerinnen bei einer Keulenübung, Staffellauf, Weitspringen, Kugelstoßen, Radfahren und das Sommerhaus in der Sächsischen Schweiz, taube Bergsteiger an einer Felswand.

Illustration zu einem Artikel über „Verkannte Menschen“ - einen Film von Gehörlosen über Gehörlose für alle von 1932

Taub gegen jeden Lärm ist der Gehörlose ausgesprochen verkehrssicher, heißt es in der nächsten Szene, die Motorrad- und Radfahrer auf einer stark befahrenen Berliner Straße zeigt. Dann sieht man eine Familie: Zufrieden und glücklich ist der Gehörlose im Familienkreise. Es ist eine irrige Annahme, dass Kinder aus den Ehen Taubstummer erblich belastet sein müssen, 90% von Ihnen haben normales Gehör.

Dass Gehörlosigkeit zumeist vererbt wird, soll als Vorurteil ebenfalls ausgeräumt werden: Man sieht einen Vater, der die „Deutsche Gehörlosen Zeitschrift“ liest, und sein Kind, das hört, wenn die Mutter ruft. Schließlich werden alte Gehörlose gezeigt: Frauen mit einem Hündchen, Männer beim Kartenspielen und wieder wird gebärdet und gesprochen. (Nur wenigen winkt nach allen Kämpfen und Sorgen ein ruhiger Lebensabend in einem Altersheim.)

Zum Schluss von „Verkannte Menschen“ erscheinen nochmals die „100%“: Gib dem viel Verkannten nicht Mitleid, nein, gebt ihm sein Recht, das Recht auf Arbeit und Brot! Ein Mann mit einem schweren Hammer blickt selbstbewusst in die Kamera; hinter ihm ein sonnendurchfluteter Himmel.

Bearbeitetes Szenenbild aus dem Dokumentarfilm „Verkannte Menschen“ von 1932

PS: Die Bilder zum Artikel über „Verkannte Menschen“ zeigen bearbeitete Aufnahmen aus dem Film sowie einen Blick ins Berliner Filmtheater „Kamera“.


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Herr Meyer

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