Hörgeräte-Energie

Vorteile von Hörgeräten mit Akku und von Hörgeräten mit Batterie
ELECTRIC AVENUE

Heute beackert die Hörgräte mal wieder ein technisch-praktisches Thema: Es geht um Hörgeräte-Energie und die Frage, ob man sich beim Hörgerätekauf für Hörgeräte mit Batterie oder für solche mit Akku entscheiden sollte. Und um es gleich vorweg zu sagen: Beide Varianten haben vor und Nachteile. Es hängt also davon ab, was für dich am besten passt.

Leben mit Energie

Wir leben mit Technik – und das ist nicht nur so dahingesagt. Viele Menschen leben mittlerweile in einer Art Symbiose mit ihren Endgeräten.  Mal dahingestellt, ob das gut oder schlecht ist; es ist Tatsache. Die Technik ist mit dir. Ihre Möglichkeiten sind Teil deiner Fähigkeiten. Kommunizieren, checken, informieren. Wozu noch sinnloses Wissen horten, wenn es Wikipedia gibt…

Aber es gibt den einen, begrenzenden Faktor: Energie. Ist der Akku runter, ist Ende. Plötzlich ist das, was ein Teil von dir ist, nicht mehr da. Eine bedrohliche Vorstellung: Auf einmal bist du abgeschnitten. Also sorgst du vor. Du lädst dein Handy über Nacht, organisierst dir rechtzeitig Zugang zu einer Steckdose, hast immer eine Powerbank dabei… Energie ist so was wie die Luft für dein Technik-Leben.

Leben mit Hörtechnik

Hörgeräte oder auch Cochlea-Implantate gibt es schon deutlich länger als Smartphones. Und die Nutzer gehen mit dieser Hörtechnik eine ganz ähnliche symbiotische Beziehung ein; oft sogar noch intensiver. Die Technik kompensiert (mehr oder weniger) einen (mehr oder weniger) nicht mehr vorhandene Sinn. Sie tut das täglich viele Stunden, oft von früh bis spät ununterbrochen (denn man sollte sie tags möglichst immer tragen).

Warnschild Hochspannung

Begrenzender Faktor ist auch hier Energie. Ist die aufgebraucht, bist du mit einem Mal schwerhörig bzw. taub; meist, ohne auf diesen Zustand in besonderer Weise vorbereitet zu sein – also etwa durch Kenntnis von Gebärdensprache oder Fähigkeiten im Lippenbildlesen.

Hörgeräte-Anergie aus dem Akku

Sowohl bei Hörgeräten als auch bei Hörimplantaten hat man heute die Wahl zwischen Technik mit Akku oder mit Batterie. (Ich beschränke mich hier auf Hörgeräte – auch wenn vieles bei den Hörimplantaten ganz ähnlich ist.) Bei Hörgeräten gab es lange Zeit keine zufriedenstellenden Akku-Lösungen. Wenn ich mich mit Technik-Journalist*innen unterhalte, sind sie darüber oft erstaunt, weil es ja für ganz viele Geräte schon lange Akkus gibt. Aber es hing mit den besonderen Anforderungen bei Hörgeräten zusammen. Die brauchen durchgehend eine gleichmäßige Energiezufuhr; und das ging mit Akkus nicht. Außerdem war ihre Laufzeit zu begrenzt. Die Akkus reichten nicht über einen Tag. Und wer will sich den Tag schon danach einteilen, wann er hört und wann er seine Akkus lädt?! Batterien hingegen halten schon lange mehrere Tage.

Schalter

In den letzten Jahren hat sich bei Hörgeräte-Energie einiges getan. Heute gibt es Lösungen mit Akkus; bei allen Herstellern. Die Industrie setzt aktuell vor allem auf Lithium-Ion-Akkus. Die erfüllen grundsätzlich alle Voraussetzungen, die ein Hörgerät braucht. Man kommt mit ihnen über den Tag. Zudem bieten Hersteller auch Lösungen, mit denen man unterwegs mehrmals nachladen kann – also eine Hörgeräte-Powerbank. Der Ladevorgang geht relativ schnell.

Vor- und Nachteile

Die Vor- und Nachteile wiegen je nach Hörgeräte-Träger*in unterschiedlich schwer: Akku-Lösungen sind natürlich praktisch, ihre Handhabung einfach. Die Akkus sind fest im Gehäuse integriert. Man setzt die Hörgeräte einfach in eine Ladestation und hat keine Fummelei mit den winzigen Knopfzellen. Das Laden geht zu Hause über Nacht oder auch mit Powerbank unterwegs. Und man muss keine Batterien mehr kaufen.

Warnschild Funkerberg-Museum Königs Wusterhausen

Andererseits spricht nach wie vor einiges für Batterien: Die halten nämlich deutlich länger als eine Akku-Ladung – bei Hörgeräten zwischen sieben und zehn Tagen. Ersatz bekommt man überall, natürlich beim Hörakustiker, aber auch in jeder Apotheke oder im Internet. Ersatzbatterien passen in jede Tasche. Die Knopfzellen kosten nicht viel. Und auch den Umweltgedanken kann man vernachlässigen. Die heutigen Batterien enthalten kein Quecksilber mehr (das war früher so). Man nutzt ausschließlich Zink-Luft-Batterien, deren Material voll recyclebar ist.

Bei Lithium-Ion-Akkus sieht das schon etwas anders aus. Die brauchen u. a. Kobalt, und das ist knapp. Deshalb wird aktuell schon viel an Akku-Alternativen geforscht. Auch in punkto Hörgeräte-Energie ist man bereits auf der Suche nach weiteren Akku-Lösungen.

Gradmesser Soundstreaming

Ob und wann Akkus die Hörgeräte-Batterien vollständig ablösen, bleibt abzuwarten. Ein Punkt, den man aktuell bei der Wahl der passenden Hörgeräte-Energie beachten sollte, ist das Thema Soundstreaming. Sehr viele Hörgeräte lassen sich bereits smart vernetzen. Man kann dann zum Beispiel sämtlichen Sound – Telefonate, Musik, Ansagen… – ohne Kabel und in optimierter Qualität direkt in den Hörgeräten (oder auch in den Hörimplantaten) empfangen. Dieses Streaming eröffnet tolle neue Möglichkeiten. Es bietet den Nutzer*innen oft sogar Vorteile gegenüber Menschen, die ohne Technik hören. Aber das Streaming benötigt auch eine Extra-Portion Energie. Wer täglich stundenlang streamen will, zum Beispiel um ständig Musik zu hören, wird schon jetzt Akku-Hörgeräte finden, die ausreichen. Man läuft also nicht Gefahr, dass man den halben Tag Musik hört – und plötzlich gar nichts mehr. Das gilt jedoch noch nicht für sämtliche Akku-Lösungen am Markt.

Messkasten

Zum Glück lässt sich sowas vor der Anschaffung testen. Im Hörakustik-Fachgeschäft bekommt man immer die Möglichkeit, die Hörgeräte für einige Tage zur Probe zu tragen. Die Hörakustiker*innen werden dich auch zum Thema Hörgeräte-Energie beraten. Und beim Testen von smarten Akku-Hörgeräten solltest du das Soundstreaming am besten gleich mit ausprobieren.

PS: Die Fotos zum Beitrag über Hörgeräte-Energie haben alle mit Elektroenergie zu tun – eine Leuchtreklame aus London, ein Elektrokasten aus dem Ziegeleiparkt Mildenberg, Stromschilder aus dem Deutschen Museum und vom Funkerberg-Museum . Auf Abbildungen mit aktuellen Hörgeräten (mit Akku oder Batterie) verzichten wir in diesem Blog bewusst; das Netz ist voll davon…


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2 Kommentare. Leave new

  • Sehr informativ, trotzalledem hätte man vielleicht noch mal so auf die Preisspanne eingehen können.

    Antworten
    • MSchaarschmidt
      18. Januar 2020 9:44

      Hallo Mathias, danke für die Rückmeldung. Zum Thema Hörgeräte-Preise empfehle ich insbesondere den 2-teiligen Artikel “Wieviel kosten Hörgeräte?” in der Hör-Technik-Rubrik (nachfolgender Link). Hörgeräte mit Akku bekommst du nach meinem Stand aktuell ab der mittleren Preisklasse. Das sind unter 1.000 Euro privater Zuzahlung je Gerät bei gesetzlich Versicherten mit ärztlicher Verordnung für eine Hörgeräte-Versorgung. Aber das ist nur ein sehr grober Wert zur Orientierung, den mir Hörakustiker genannt haben. In diesem Betrag ist ja nicht nur ein hochwertiges Medizinprodukt eingerechnet, sondern auch dessen Anpassung durch den Hörakustiker und sechs Jahre Service. Zum besseren Verständnis dieser Zahl empfehle ich besagten Artikel. Viele Grüße Martin

      https://die-hörgräte.de/hoer-technik/wieviel-kosten-hoergeraete-geld-zuzahlung/

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