Klarer Fall für Gehörschutz (Teil 1)

10 Bereiche, für die sich Gehörschutz vom Hörakustiker auch privat lohnt
Hörakustiker-Party

Hörakustik-Fachgeschäfte sind was für Leute, die schlecht hören und Hörgeräte brauchen? – Stimmt, aber stimmt nicht ganz. Denn man bekommt dort noch andere Hör-Sachen; insbesondere auch für diejenigen, die noch keine Hörprobleme haben. – Zum Beispiel Gehörschutz, der wesentlich komfortabler und besser ist als die Baumarkt-Stöpsel, die es überall gibt…

Gehörschutz in Haus und Freizeit?

Fragst du dich jetzt, was du mit Gehörschutz sollst? Weil du ja schließlich kein Bauarbeiter bist oder jeden Tag an irgendwelchen lärmenden Maschinen stehst??? – Wie wäre es mit der Tatsache, dass Hörschäden durch Lärm in den letzten Jahrzehnten stetig zunehmen und gerade immer mehr junge Menschen betroffen sind?! Und wie wäre es mit der Tatsache, dass Lärm das Gehör auch dann schädigt, wenn er uns nicht nervt – sondern uns vielleicht sogar gefällt?!

Unser Leben ist generell immer lauter. Im Büro zum Beispiel kann Gehörschutz absolut Sinn machen, drüber hatte ich schon mal gebloggt. Und auch im Privat-Leben, etwa bei vielen Hobbys, gibt es Lärmpegel, die das Gehör schädigen können. Das gilt übrigens in ganz besonderem Maße für Kinder.

Die Hörgeräte hat dir deshalb mal 10 Bereiche zusammengestellt, in denen es ggf. auch für dich Sinn macht, Gehörschutz vom Hörakustiker zu tragen:

Konzerte und Veranstaltungen

Bei Rockkonzerten fällt mir auf, dass inzwischen ziemlich oft Gehörschutz getragen wird. Wobei mein Eindruck auch ist, dass das bei jüngeren Konzertbesuchern üblicher ist als bei älteren. Vor einiger Zeit war ich z. B. bei einem Donots-Konzert im Waschhaus Potsdam, und es hatten extrem viele Leute was in den Ohren. Und vor ein paar Wochen war ich bei The Damned in der Fabrik in Hamburg – und ich hab dort so gut wie keinen Gehörschutz gesehen.

Konzert The Damned

Natürlich sind Konzerte auch unterschiedlich laut. Aber die meisten Musiker schützen ihr Gehör auf der Bühne – indem sie In-Ear-Monitoring tragen. Das gibt es auch beim Hörakustiker; und mit den Donots war ich sogar zusammen dort. Ich hab mein Interview geführt, während die Donots einer nach dem anderen Silikon in die Ohren bekamen – für ihr In-Ear-Monitoring. (Dazu vielleicht ein andermal mehr.)

Passender Gehörschutz vom Hörakustiker stellt sicher, dass du den Konzert-Sound immer noch voll genießen kannst, die Pegel jedoch abgesenkt werden. Wichtiger als bei manchem Konzert scheint mir der Schutz sogar noch bei vielen Veranstaltungen, Volksfesten, Rummelplätzen etc., wo Musik häufig nicht nur extrem laut, sondern auch noch extrem schlecht wiedergegeben wird. (Erlebe ich mitunter als Grenze zur Körperverletzung.)

Heimwerkern

Ich bin nicht der große Heimwerker. Aber vor ein paar Jahren ergab sich für mich die Gelegenheit, einen Tag lang mit einem Bohrhammer eine Betonwand zu bearbeiten. (Das auf dem nachfolgenden Foto war ich nicht, aber die Wand sah am Ende ungefähr genauso zerbröselt aus.) Es war ein ziemlich großer Bohrhammer, so dass man mich sehr weit hämmern hören konnte. Zudem war es mitten im Sommer. Ich war daher sehr froh, meinen Gehörschutz vom Hörakustiker zu haben. Ich habe maßgefertigten Gehörschutz, der auf Grundlage von Ohrabdrücken gefertigt wurde und daher sehr komfortabel sitzt.

Abrissarbeiten

Sonst hätte man auch einen Kapsel-Gehörschutz tragen können (also so ein Ding, das wie ein Kopfhörer aussieht; manche sagen auch „Micky Maus“ dazu). Auch den bekommt man bei Hörakustikern. Und zumindest so einen sollte man auch nehmen, wenn man im eigenen Heim heimwerkt. Aber wenn man hart am Arbeiten ist und schwitzt, ist so ein kleines, bequemes Teilchen im Ohr deutlich angenehmer.

Motorsport

Bei Gelegenheit muss ich mal über Tommy schreiben. Der ist Akustiker, passt aber keine Hörgeräte mehr an, sondern fährt nur zu Autorennen, um dort Rennfahrern ihre maßgefertigten Kommunikationssysteme zu fertigen. (Ohne die bzw. die Verbindung zum Team in der Boxengasse könnte nämlich heute niemand mehr ein Rennen gewinnen.)

Über Motorsport weiß ich eigentlich gar nichts… Als ich Tommy für eine Reportage beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring besucht habe, fiel mir auf, dass das Motorsport-Publikum über Gehörschutz auch nicht viel weiß. Überall Väter mit kleinen Söhnen, deren kleine Ohren stundenlang extremen Pegeln an der Rennstrecke ausgesetzt waren. Tommy kannte das Problem sehr gut. Er ist bei den Rennen immer mit seinem Werkstatt-Mobil und einem kleinen Verkaufstisch, und es gibt dort auch Gehörschutz. Aber es kommen oft Leute, die denken, das mit dem Gehörschutz sei so eine Art Gag von ihm. Als würde er ihnen den Spaß am coolen Motorensound verderben wollen. Besonders extrem soll es bei Oldtimer-Rennen sein, weil für die nicht die Lärmgrenzwerte der modernen Fahrzeuge gelten.

Sportschießen

Bei Sportschützen ist Gehörschutz möglicher Weise schon stärker verbreitet. Das liegt dann vermutlich an den Krimi-Serien, in denen die Kommissar*innen ständig an Schießständen stehen, abwechselnd auf Scheiben ballern, treffen oder nicht treffen, und sich dann darüber unterhalten, warum sie jetzt getroffen oder nicht getroffen haben und was mit dem aktuellen Fall los ist.

Schießscheibe

Zum Schießen setzen die Kommissar*innen immer einen Kapselgehörschutz auf. Zum Reden nehmen sie den dann natürlich wieder ab. Alternativ zu diesen „Micky-Mäusen“ könnte man auch hier maßgefertigten Gehörschutz nehmen, der einfach im Gehörgang sitzt. Je nach Anforderung kann so ein Gehörschutz mit unterschiedlichen Filtern verwendet werden – also für Musik zum Beispiel mit einem anderen Filter als für das Schießen. Beim Schießen ist wichtig, dass der Filter vor dem so genannten Impulsschall schützt – also ein plötzlich auftretendes Knallgeräusch gar nicht erst bis ins Ohr lässt. Alles andere kann ja gehört werden.

Jagen

Für Jäger ist es ungefähr so wie für Sportschützen. Auch die müssen ihr Gehör vor dem Impulsschall von Schussgeräuschen schützen. Und das tun sie nicht unbedingt.

Ich habe schon mehrmals hörgeschädigte Jäger interviewt. Ich selbst verstehe von Jagen ungefähr so viel wie von Motorsport. Aber mein Eindruck in den Gesprächen war, dass Jäger schon so ein eigenes Völkchen sind (also so mit „Halali“, „Schrot und Korn“ und „Jägerlatein“ usw.) Meine Gesprächspartner erzählten zum Beispiel von Jagdmessen, auf denen reihenweise hörgeschädigte Jäger ohne Hörgeräte rumlaufen. Beim Jagen einen Gehörschutz zu tragen, schien nicht übermäßig verbreitet zu sein. Vielleicht bin ich nur an die falschen Jäger geraten…

Bei einer Jagd Geräusche gut wahrnehmen und orten zu können, ist für so einen Jäger natürlich wichtig. (Vor tausenden von Jahren war diese Fähigkeit für Menschen überlebenswichtig.) Spezieller Jäger-Gehörschutz vom Hörakustiker schränkt diese Fähigkeit aber gar nicht ein, er schützt nur vor dem Schussgeräusch. Beim Jagen keinen Gehörschutz zu nehmen, schränkt hingegen die Hörfähigkeit sehr wohl ein – früher oder später, und dann auch nicht nur beim Jagen.

Soweit die ersten 5 der 10 Bereiche, für die sich Gehörschutz vom Hörakustiker auch außerhalb der Arbeit lohnen könnte. Die anderen 5 folgen dann im zweiten Teil des Artikels, der kommende Woche online geht.

PS: Die Bilder zum Beitrag über Gehörschutz  vom Hörakustiker zeigen diesmal: feiernde Hörakustiker*innen beim Kongressabend zum EUHA-Kongress 2018 in Hannover, The Damned in der Hamburger Fabrik, Einzelteile der zerlegten Allende-Brücke in Berlin-Köpenick, fröhliche Motorrad-Kolben an einem Motorrad-Fachgeschäft in Groß-Bieberau (Hessen), ein altes Einhorn aus Niederösterreich, auf das früher mal geschossen wurde, und einen kleinen Hasen aus Berlin-Friedrichshain, der nicht gejagt werden möchte.


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