Hören machen

Die 7 wichtigsten Aufgaben von Hörakustikern und Hörakustikerinnen
Engel mit Harfe aus der National Gallery London

Dass es Hörakustiker und Hörakustikerinnen gibt, und dass sie die Fachleute sind, wenn jemand nicht mehr so gut hört und deshalb Technik braucht – darüber hatte ich in diesem Blog schon mehrfach geschrieben; etwa im Beitrag über Hörakustiker und Gespenster. Heute mal ein Überblick zu den Aufgaben von Hörakustikern.

Hörakustiker*innen in Deutschland

In Deutschland gibt es ungefähr 15.000 Hörakustiker und Hörakustikerinnen (zu 60% sind es Hörakustikerinnen). Mitunter werden sie einfach Akustiker und Akustikerinnen genannt. Früher hießen sie Hörgeräteakustiker (und -innen). Aber das wurde vor einiger Zeit geändert; vor allem, weil dieses Gesundheitshandwerk noch mehr Aufgaben hat als nur die Hörgeräte.

Hörakustiker*innen arbeiten in Hörakustik-Fachgeschäften. Davon gibt es in Deutschland ungefähr 6.600. Die Zahl der Geschäfte hat sich in den letzten 15 Jahren etwa verdoppelt, denn gutes Hören ist ein Markt der Zukunft; schon weil alle immer älter werden.

Überall und häufig unbemerkt

Du findest heute auch in kleineren Orten ein oder auch mehrere solcher Geschäfte. Oft bemerkt man die aber nicht, wenn man noch gut hört und sie nicht braucht. Früher sind sie mir auch nie aufgefallen. Als ich vor 20 Jahren das erste Mal mit Hörgeräten zu tun bekam, hörte ich das erste Mal davon, dass es Akustiker gibt (die damals Hörgeräteakustiker hießen) und was sie machen.

Flötenspieler National Gallery London

Ist ja normal, dass man von etwas, was man nicht braucht, keine Ahnung hat. Und ebenso normal, dass sich das ändert, wenn man dieses etwas braucht. Besseres Hören braucht früher oder später so ziemlich jeder – ob nun für sich oder für einen anderen, der wieder besser verstehen soll. Hier kommt der Hörakustiker ins Spiel. Die Anschaffung von Hörgeräten ist nämlich meist viel kniffliger als die Anschaffung eines Kühlschranks, eines Fernsehers oder einer Mikrowelle. (Die sind zwar auch alle Technik; aber du schleppst sie z. B. nicht ständig an dir rum…).

Damit du dich im Fall der Fälle vorbereiten kannst, stelle ich dir hier mal die wichtigsten sieben Aufgaben von Hörakustikern zusammen:

Aufgabe 1: Analysieren, messen, herausfinden

Jeder Mensch hört anders – anders gut oder anders schlecht. Die alltäglichen Situationen, in denen man ist und hört, sind ganz verschiedene. Obendrein ist jeder individuell, hat unterschiedliche Wünsche – gerade auch beim Hören.

Je mehr von all diesen Dingen berücksichtigt wird, desto besser lässt sich ein nachlassendes Gehör mit Technik ausgleichen. Also werden gute Hörakustiker*innen all das unter die Lupe nehmen. Sie machen Hörmessungen und Testverfahren, prüfen, was man noch hört, wie viel Sprache man noch versteht. Sie erkunden den jeweiligen Höralltag. Sie sammeln zuerst einmal jede Menge Informationen, um alles auszuwerten und es anschließend mit dir zu besprechen.

Aufgabe 2: Beraten und verkaufen

Hörakustiker*innen kennen sich sehr gut mit Hörgeräten und anderer Hörtechnik aus. Sie beraten dich und empfehlen dir Technik, die für dich besonders gut passen könnte – bzgl. Größe und Bauform, Funktionalität und Preis eines Hörgerätes, bzgl. Hörgeräte-Zubehör usw. Sie wollen dir diese Technik verkaufen. Soweit ist diese zweite der Aufgaben von Hörakustikern ähnlich der Aufgabe von Kühlschrank-, Fernseher- und Mikrowellen-Verkäufern.

Geigenspieler, National Gallery London

Aber das greift hier zu kurz. Denn abgesehen davon, dass du verschiedene Hörtechnik unverbindlich im Alltag testen kannst (und solltest), gibt es eine weitere, letzten Endes entscheidende Aufgabe von Hörakustiker*innen:

Aufgabe 3: Einstellen der Technik

Weil jeder anders hört, müssen Hörgeräte immer anders eingestellt werden. Das ist sehr komplex. Deshalb haben Hörakustiker*innen auch jede Menge Stellschrauben, an denen sie Optimierungen vornehmen können. Sie arbeiten hier mit einer Anpass-Software, die es passend zu jedem Hörgerät (bzw. jedem Hörgeräte-Hersteller) gibt. Sie nutzen auch weitere Messtechnik, Demonstrationen, Simulationen. Und sie brauchen dafür Zeit und Geduld. – Völlig normal bei guten Handwerkern. (Wenn ich einen Tisch bauen würde, wäre ich viel schneller fertig damit als ein Tischler; aber was wäre mein Tisch für ein Tisch…) Oft werden sogar mehrere Hörgeräte für dich eingestellt, damit du sie erstmal testen und vergleichen kannst.

Aufgabe 4: Anpassen der Form

Neben der Einstellung der vielen Funktionen muss auch die Form eines Hörgerätes passen. Auch jedes Ohr, jede Ohrmuschel, jeder Gehörgang sind verschieden. Wenn man da einfach ein Gerät dranhängt bzw. rein schiebt, wird das nicht gut. Die Technik funktioniert nicht richtig. Es sieht nicht so aus, wie es soll. Und die Technik ist nicht komfortabel. Sie reibt, drückt, nervt… Geht natürlich nicht, wenn man sie täglich von früh bis spät tragen soll. Die Technik muss noch viel komfortabler sein als jeder sehr komfortable Funkkopfhörer.

Flöten- und Posaunenbläser, National Gallery London

Also machen Hörakustiker*innen die Geräte auch in der Form passend. Da geht es um Handwerk im ganz ursprünglichen Sinne – also um werken bzw. arbeiten mit Händen. Sie nehmen Abdrücke deiner Ohren. Sie fertigen passende Teilchen, die so in deinen Gehörgängen sitzen, dass du sie nach kurzer Zeit nicht mehr merkst. Sie arbeiten mit Spachtel, Abdruckmasse, Silikon-Spritze… Sie haben kleine, multifunktionale Elektrowerkzeuge, mit denen sie fräsen, polieren usw.

Aufgabe 5: Betreuen und reparieren

Hat man Hörgeräte gekauft, die bestens eingestellt sind und ausgezeichnet passen, dann haben Hörakistiker*innen immer noch was zu tun. Zum einen kümmern sie sich weiter, zeigen dir, wie du die Technik pflegen musst, Übernehmen selbst Wartungsarbeiten, wechseln oder reparieren auch mal was, verkaufen dir Batterien und Pflegesachen, empfehlen dir Zubehör, mit dem du die Leistung deiner Hörgeräte z. B. beim Fernsehen oder in lauten Umgebungen noch verbessern könntest…

Hinzu kommt, dass sich dein Gehör auch mit Hörtechnik verändert. Hörakustiker*innen überprüfen die Einstellung deiner Geräte deshalb immer mal und aktualisieren sie ggf. Du solltest also hin und wieder zur Kontrolle vorbeikommen. Und wenn du von dir aus feststellst, dass das Hören mit der Technik in bestimmten Momenten nicht mehr so gut ist, dann solltest du gleich hingehen.

Aufgabe 6: Spezielle Themen

Daneben bieten viele Hörakustiker*innen in ihren Geschäften eine ganze Reihe verschiedener Spezialisierungen an. Da geht es z. B. um Hörtrainings, die dich dabei unterstützen können, dich schnell an das Hören mit Technik zu gewöhnen und das Optimum für dich herauszuholen. Weitere Spezialthemen sich Angebote bei störenden Ohrgeräuschen, dem so genannten Tinnitus, oder die Betreuung von Kindern mit eingeschränktem Gehör und deren Familien – das nennt man Pädakustik. Ein weiteres Spezialthema ist die Betreuung von Menschen mit Cochlea-Implantaten oder anderen Hörimplantaten.

Aufgabe 7: Gehörschutz

Eine weitere typische Aufgabe von Hörakustiker*innen ist die Fertigung von Gehörschutz – für den Beruf oder auch für die Freizeit. Wer sich so einen Schutz besorgen oder besser noch passend zum eigenen Ohr anfertigen lassen möchte, ist nirgendwo besser aufgehoben, als in einem Hörakustik-Fachgeschäft. Manche Hörakustiker bieten daneben auch weitere maßgefertigte Sachen – zum Beispiel In-Ear-Monitorings für Bands, Kommunikationssysteme für Motorsportler oder auch In-Ear-Kopfhörer als Maßanfertigungen.

Musizierende Engel aus der National Gallery London

Soweit also ein kleiner Überblick über die wichtigsten Aufgaben von Hörakustikern. Hatte ich schon geschrieben, dass die bundesdeutschen Hörakustiker*innen sehr hoch qualifizierte Leute sind? Das ist so. Die hiesige Ausbildung für dieses Handwerk ist weltweit bekannt und geschätzt. Darüber dann ein anderes Mal.

PS: Auf den Fotos zum Beitrag über Aufgaben von Hörakustikern und Hörakustikerinnen siehst du keine Hörakustiker, sondern sehr alte Musikanten aus der National Gallery in London. Und die Geräusche, die sie machen, kann man mit eingeschränktem Gehör oft erst dann wieder hören, wenn man beim Hörakustiker war…


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